Bienvenue au Stade de Loungprabang! Schon wieder ein Fussballartikel?! Na, dann ‚bonne nuit‘! Nicht ganz, dennoch fühle ich mich gerade in diesem Augenblick vor dem Stadion schon wieder wie in einer anderen, vollkommen vertrauten Welt. Das charmant baufällige und in Teilen in einen ‚Wohnkomplex‘ sowie eine Müllhalde umgewandelte Stade de Loungprabang empfängt mich bei schwül-heißen 35 Grad. Vor den historischen Stadiontoren sitzen einige Laoten im Schatten und schenken dem wundersamen, vollkommen durchgeschwitzten, bärtigen Westler, der barfüßig von seinem klapprigen Fahrrad absteigt, in seine Flip Flops schlüpft und sofort begeistert seine Kamera zückt, wenig Beachtung!
Und genau dasselbe gilt für auch für Luang Prabang selbst. Diese Stadt ist am spannendsten wo Dir persönlich (!) am wenigsten Beachtung geschenkt wird, wo Du einfach nur abtauchen kannst!
Also ab in die Flip Flops und/oder auf’s Rad und werde ein Teil von Luang Prabang…
– auf dem Morning Market, der jeden Morgen von ca. 5 bis 9 Uhr in der kleinen Parallelstrasse zur Mekong-Seite hin, stattfindet. Hier wird alles verkauft, Früchte, Fleisch, lebende Hühner und Enten, Blumen und junge Spatzen für die Prozession zu einem der zahllosen Stempel und Stupas
– mit einem guten Frühstück auf oder neben dem Morning Market! Mit Berührungsängsten wird man in Laos nicht satt und erst recht nicht glücklich – selbst wenn in den riesigen, dampfenden Suppentöpfen Schweinemagen, -füsse oder sonstiges mitgekocht wird! Dazu ist genau dieses in Deutschland leider unbekannte laotische Streetfood viel zu lecker. Den perfekten Start in die Tag garantieren traditionelle Reis- oder Nudelsuppen mit viel frischen Kräutern, Chili und frischem Limettensaft. Dabei kannst Du Löffel für Löffel das Treiben auf dem Morning Market beobachten. Ein Tipp: Umso früher Du da bist, desto weniger Touristen werden die Szenerie ’stören‘.
– als Alternative bei einem Frühstück auf dem Phousi-Aussichtsberg. Take Away-Essen, seien es frisch gegrillte laotische Frikadellen, gebratene Nudeln, die anstatt in Plastik-Tüten in einem Bananenblatt (Gott sei Dank!) eingewickelt werden, oder Kokos-Pancakes, scheint in Asien beliebt zu sein! Am besten stellt man sich sein asiatisches Wunsch-Frühstück zusammen, um nach über 300 Stufen Aufstieg, die 20000 Kip Eintritt kosten, auf der Spitze des 150 Meter hohen, heiligen Aussichtsberg seine wohlverdiente Stärkung zu sich zu nehmen. Und das Beste daran: während des Frühstücks kann man bereits die großartige Aussicht auf Luang Prabang genießen ohne vom Fotomarathon der anderen Touren erschlagen zu werden!
– bei einem guten Kaffee und französischem Gebäck im Joma oder im Le Batonne entspannen! Zugeben in diesen beiden Cafés, das ersterer ist wie ein europäischer Coffee-Shop aufgemacht, das zweitere hat die Anmutung eines klassischen französischen Cafés, wimmelt es nur vor Touristen, und genau deswegen lässt sich sich hier einfach perfekt Kaffee trinken! An den Lao-Kaffeeständen bist du früh genug wieder DER einzige Tourist!
– auf dem Sitz des geliehenen Fahrrads das Weltkulturerbe Luang Prabang entdecken. Nicht nur der Stilmix aus französischer Kolonial- sowie klassisch asiatischer Architektur macht Luang Prabang so besonders, sondern auch die Vielzahl der buddhistischen Tempel! Mit dem Fahrrad können die meisten Tempel innerhalb weniger Minuten erreicht werden. Meine absoluten Tempel-Highlights waren der älteste Tempel Wat Xieng Thong der stilvolle und abwechslungsreiche Wat Sensoukharam sowie der mythische und verborgen wirkende Wat Aham, der vor allem zu Sonnenuntergang seine vollständige Anmut entfaltet! Dazu trägt vor allem auch die links neben dem Tempelgelände gelegene verwitterte Stupa bei. Genauso ergeht es einem beim Besuch des südöstlich und außerhalb der Innenstadtgrenzen gelegenen Vatthaluang Rasamahavihane. Doch damit nicht genug, denn diese kleine, relaxte Stadt ist vor allem auch deswegen so entspannt und liebenswert, da sie komplett mit dem Fahrrad er- und umfahren werden – am Mekong entlang oder durch die Seitenstraßen und Gassen der Altstadt inklusive lauwarmem Fahrtwind und Sonnenstrahlen auf der Haut! Chil-Laos at its best!
– mit dem vielleicht besten Mekong-Blick bei dem vielleicht besten Lao-Kaffee der Stadt: Im Utopia, einer am Mekong-Ufer gelegenen Bar sind entspannte Stimmung und ein ‚Abtauchen‘ ‚Gesetz‘! Selbst ein Nickerchen auf den Liegenmatten wird gerne gesehen!
– den Tag bei Streetfood auf dem Night Market ausklingen lassen! Auch hier wimmelt es nur so vor Touristen, doch wer wirklich abtauchen will, der sucht eine der wenigen Suppenküchen am Wegesrand auf. Mit einem Sitzplatz mit Blick auf die Straße kann man den Tag Löffel um Löffel Revue passieren lassen sowie so beschließen, wie man ihn begonnen hat, und neugierig das Treiben um sich herum vorbeiziehen lassen. Wer nach den sättigenden und herzhaften Laotischen Nudelsuppen immer noch hungrig ist, der findet in der Street-Food-Meile (links vor dem Ancient Luang Prabang Hotel) oder dem vegetarischen Buffet ein paar Straßen weiter sicher noch Sättigung.
Natürlich bietet die Stadt noch mehr Highlights, wie z.B. Fahrrad-, Bus-, oder TukTuk-Touren zu den diversen Wasserfällen ins Umland, eine Mekong-Fahrt oder eben das örtliche Fussballstadion. In Luang Prabang findet garantiert jeder seinen Weg um perfekt abzutauchen.
Für mich hat sich diese Stadt vor allem durchs Fahrradfahren erschlossen – barfuß auf dem klapprigen Fahrrad auf den gut ausgebauten Straßen, auf denen die umsichtigen Autofahrer (im Vgl. zu Iran und Nepal) weite Bogen um einen fahren. Selbst die Fahrt zum ca. 3 Kilometer von der Innenstadt entfernten Stade de Loungprabang verläuft vollkommen unkompliziert und entspannt – zum ersten Mal seit 5 Wochen wieder aktiver Verkehrsteilnehmer! Um ehrlich zu sein, bin ich selbst etwas erstaunt wie locker und leicht ich die Kreuzungen sowie die scharfen S-Kurven hinter mir lasse. Nach einigen ‚Abkürzungen‘ stehe ich, unweit des Stadions, schweissüberströmt in einem auf einer Anhöhe gelegenen Laotischen Wohngebiet und kann den Blick über Luang Prabang schweifen lassen: Touristen Fehlanzeige! Wenig später erreiche ich das sehenswerte ca. 11.000 Zuschauer fassende Stadion. Leider sind die Stadiontore – anders als in Kathmandu – hier nicht geöffnet, dafür kann ich das komplette Stadion mit dem Fahrrad auf einer Schotterpiste umfahren. Für Fotos klettere ich auf Steine und Zäune. Vor allem die grandiosen Kontraste zwischen sandgelben sowie türkisblauen Tribünen, den sanften, dunkelgrünen Hügeln im Hintergrund sowie den umwerfenden, weißen Laotischen Wolkenspielen am Himmel faszinieren mich und ich male mir aus, wie die Stimmung bei einem Fußballspiel sein könnte. Als ich mich auf den Weg zurück in die Innenstadt mache, nehmen mich die vor dem Stadion sitzenden Laoten schon gar nicht mehr wahr: Au revoir Stade de Loungprabang!

















