Iran – What to expect? Kleine, aber feine (Kultur-) Unterschiede…

Zeitlos. Örtlich nicht richtig definiert. So fühle ich mich immer an Flughäfen, insbesondere wenn es sich um eine Zwischenlandung handelt. Aktuell sind wir in Muscat, Oman – auf unserem Weg zum nächsten Ziel: Nepal.

Etwas übermüdet sitzen wir hier also und staunen etwas, wie exotisch die Menschen und Gegebenheiten um uns herum bereits nach 2,5 Wochen Aufenthalt im Iran auf uns wirken. Frauen ohne Kopftuch, die T-Shirts und kurze Röcke tragen; Toiletten zum darauf sitzen für die Frauen, Pissoirs für die Männer und Pärchen, die sich berühren…

Neben diesen offensichtlichen Besonderheiten, gibt es einige weitere, die jeden Iran-Reisenden erwarten:

Tagesrhytmus Im Hinblick auf den Tagesrhytmus ähneln die Perser eher den Südeuropäern: spät in den Tag starten und spät den Tag auslaufen lassen. Ein Abendessen um 22:00 Uhr ist die Regel, wenn das Essen erst nach Mitternacht serviert wird, wundert sich auch niemand.

Verabredungen Ebenfalls an die Südeuropäer erinnernd, verhält es sich bei der Vereinbarungen von Treffpunkten und -Zeiten auch eher larifari. 1 Stunde oder mehr Wartezeit waren dabei keine Seltenheit für uns. Im einfachsten Fall werden einfach keine Zeiten vereinbart und man telefoniert stattdessen 10x um sich jeweils auf den aktuellen Stand zu bringen und neue Ideen und Pläne auszutauschen und abzuwägen.

Begrüssungen & Verabschiedungen Wie vieles im Iran sind diese Gegebenheiten vor allem durch eins geprägt: sie dauern lange! Wenn man sich trifft, stehen diejenigen, die sich bereits im Raum befinden, auf. Zur Begrüssung gibt es dann für jede Person ein Händeschütteln und eine Reihe an üblichen Begrüssungsfloskeln. Dasselbe wiederholt sich bei der Verabschiedung, die in der Regel noch etwas länger dauert, weil noch Wünsche und Grüsse an die diversen Verwandten übersandt werden.

Gastfreundlichkeit Steht für die Perser ganz weit oben in den lokalen Gepflogenheiten. Konkret bedeutet dies, das ein Gast immer mit Freude empfangen wird – zu jeder Zeit. Dazu gehört auch die Bewirtschaftung des Gastes: mit Tee, Obst, Gebäck und wahlweise Frühstück, Mittag- oder Abendessen. Eine Ablehnung von Speis und Trank wird dabei in der Regel nicht akzeptiert.

Taroof Eine Form der Höflichkeit, die es so – soweit uns das bekannt ist – nur im Iran gibt und über die man selbst alleine seitenlang berichten kann. Im Grunde wendet der Iraner Taroof sehr natürlich und zu den meisten täglichen Gegebenheiten an. Dabei wird das jeweilige Gegenüber immer bevorzugt behandelt. Und dieser wiederum sollte Angebote mindestens erst zweimal ablehnen, bevor er diese annimmt, denn sie könnten aus reiner Höflichkeit gemacht worden sein. Das kann sogar darin gipfeln, das ein Kassierer im Supermarkt sagt, „Sie brauchen nichts bezahlen, seien Sie mein Gast“ – aber es nicht so meint. Für Besucher des Landes ein schwieriges Unterfangen, für das man viel Fingerspitzengefühl benötigt – bei Unsicherheit kann man aber auch offen danach fragen, ob es sich nun um Taroof handelt oder aber darauf bestehen „Na taroof“ – wenn man zB selbst derjenige ist, der etwas anbietet.

Kultur & Politik Haben für die Perser eine große Bedeutung. Sie sind in der Regel sehr gut informiert und sprechen sehr gerne über Kultur und Politik – es besteht eine sehr intensive Diskussionskultur. Zum einen, weil insbesondere die Politik einen so bedeutsamen Einfluss auf ihr tägliches Leben nimmt und die Iraner nicht müde werden zu betonen, dass sie damit nicht einverstanden sind. Zum anderen aber auch, weil sie einen großen Stolz für ihre Kultur und ihre Geschichte besitzen.

Geldmittel In Iran gibt es zwei Währungen: einmal die offizielle Währung: Rial – (Umrechnungskurs EUR – Rial ca 1 : 40.000), in der die Preise auch ausgewiesen sind. Und dann die Währung die tatsächlich als Zahlungsmittel im Umlauf ist – Toman (Umrechnungskurs EUR – Toman ca. 1 : 4.000). Das kann für uns Europäer schon mal verwirrend werden.

Jahreszahl/Monate Der persische Kalender unterscheidet sich komplett vom Europäischen Kalender. Monate und Jahreszahl weichen ab. Auch das Wochenende ist nicht am Sonntag, sondern am Freitag. 

Toiletten Im Hinblick auf die Toiletten bedarf es etwas Umgewöhnung: Stehklos sind die Normalität, das Toilettenpapier gehört dabei in den Abfalleimer – ähnlich also wie im südostasiatischen Raum. Sauber sind die (insb öffentlichen) Toiletten dabei selten, immerhin gibt es aber reichlich. 

Restaurants / Tische In Iran isst man nicht an Tischen, sondern traditionell auf dem Boden sitzend. Zu Hause werden dafür Tischdecken ausgebreitet, im Garten gibt es Teppiche und darauf wiederum Tischdecken auf denen die Speisen gereicht werden. In Restaurants sind statt Esstischen also höher gelegene Sitzecken unterschiedlicher Grössen zu finden, die ebenfalls mit Teppichen ausgelegt sind. Schuhe werden natürlich vor jedem Teppich ausgezogen. 

Umgang zwischen Pärchen Berührungen von Pärchen in der Öffentlichkeit sind zeitweise zu beobachten. Über Händchen halten oder ein Streichen über den Arm / den Rücken geht es allerdings nicht hinaus und es ist auch eher die Seltenheit. Küssende Pärchen sind in der Öffentlichkeit gar nicht zu sehen – auch im Kreise der Familie beschränken sich die Küsse innerhalb von Pärchen auf seltene Küsse auf die Stirn oder die Wange. 

Telefonieren statt Texten Das Telefon hat für die Perser noch immer seine zentrale Funktion des Telefonierens. Die meisten besitzen zwar ein Smartphone, aber im Vergleich zu Deutschland ist dieses zumeist in der Senkrechten und am Ohr des Besitzers vorzufinden. Parallele Telefonate an 2 Telefonen sind dabei ebenso häufig zu beobachten wie das telefonieren beim Autofahren oder anderen parallelen Aktivitäten. 

Polizeipräsenz Etwas gewöhnungsbedürftig, aber weit weniger „bedrohlich“ als gedacht haben wir die Polizei im Lande erlebt. Man sieht deutlich häufiger als gewohnt Polizeistationen – in regelmäßigen Abständen auf der Autobahn mit entsprechenden Verlangsamungsspuren, an jeder Hauptkreuzung in den Städten, an relevanten Sehenswürdigkeiten, etc. Die Polizisten selbst wirken allerdings eher als Pflichterfüller und wir haben kein Mal beobachten dürfen/müssen, das Personen bzgl den Kleidungsregeln oä „gerügt“ oder gar verhaftet wurden. Einzig Verkehrskontrollen konnten wir – neben der obligatorischen, aber offensichtlich scheinmäßigen Festnahme der Brückensänger von Isfahan – beobachten. 

Hilfsbereitschaft Ebenso wie die Gastfreundschaft, ist uns auch die Hilfsbereitschaft der Menschen im Land als einmalig aufgefallen. Kaum standen wir mal orientierungslos in der Stadt wurden wir gleich angesprochen und uns wurde geholfen. Kaum waren wir mit einer Reifenpanne an den Straßenrand gefahren, hielt nur 1 Min später der erste Hilfeanbietenede Autofahrer hinter uns an. Haben wir mal den Weg nicht gefunden, hat uns einfach ein anderer Autofahrer den Weg gewiesen – in dem er vorneweg gefahren und uns gleich bis zum Ziel gebracht hat. Geschichten, die man so in Europa eher nicht erlebt. 

Navigationsgeräte Wahrscheinlich auch aufgrund dieser Hilfsbereitschaft, konnten sich Navigationsgeräte im Iran noch nicht durchsetzen. Das Navi wird stattdessen von dem Einheimischen ersetzt. Kennt man den Weg nicht (was häufig die Regel ist) fragt man sich einfach so lange und so oft hintereinander durch, bis man das Ziel erreicht. Hier kann allerdings wieder das bekannte Taroof zum Problem werden: denn kennt der Gefragte den Weg nicht, kann es durchaus vorkommen, dass dieser einem trotzdem den Weg weist, um nicht unhöflich zu erscheinen, mit dem Ergebnis, das man sich dann erst Recht auf den Irrweg begibt. 

Ein kleiner Auszug an Besonderheiten, die vielen Reisenden im Iran begegnen und für besondere Erlebnisse sorgen werden. Man könnte die Liste noch beliebig erweitern. Wir haben uns trotz all dieser Gegebenheiten sehr schnell eingelebt und wohlgefühlt und wünschen jedem Reisenden in Iran ähnliche Erlebnisse.

PS: Inzwischen sind wir in Nepal angekommen – mehr zu unseren Erlebnissen hier folgt bald!

Veröffentlicht in: Iran

Ein Gedanke zu “Iran – What to expect? Kleine, aber feine (Kultur-) Unterschiede…

  1. Anonymous schreibt:
    Avatar von Unbekannt

    Es war eine wunderschöne, lustige, erlebnisreiche Reise mit wenig Schlaf, viel Kultur und bleibende Erinnerungen.
    Es freut und ehrt mich sehr, dass ich mit Hilfe der Geschwister, Neffen, Nichten und andere Familienmitglieder diese Reise für Euch organisieren konnte und selber dabei sein dürfte.
    Pabst

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