Chill-Laos – Endlich Zwei sein!

Man könnte die Überschrift jetzt durchaus falsch verstehen, allerdings waren wir selbst überrascht, als wir vor etwa 1 Woche mit unserer Trekkingtour in Nepal fertig waren und ganz plötzlich nur noch zu Zweit waren.

„Plötzlich“ war das natürlich nicht wirklich, allerdings hatten wir bis dahin gar nicht gemerkt, das wir quasi noch keinen Abend nur zu Zweit verbracht haben, noch kein Essen (auch kein Frühstück) nur für uns Zwei hatten.

Das sollte sich nun ändern. Nach der Zeit im Iran, die wir durchgehend mit der Familie verbracht haben und dem Aufenthalt in Nepal, wo neben Guide und Träger auch immer andere Trekker in der Nähe waren, haben wir nun Zeit nur für uns. Das heisst konkret, in unserem Tempo reisen, dann und das essen, worauf wir Lust haben, in unserem Rhytmus schlafen und wach sein und da anhalten, wo wir Lust haben bzw weiterzuziehen, wo es uns nicht sehr gut gefällt.

Es geht für uns von Kathmandu in Richtung Thailand, wo wir einen eintägigen „Homecoming“-Stopover einlegen und uns pudelwohl fühlen. Endlich wieder Essen in Strassenküchen, geordneteres Chaos und tropisches Klima! Wir lieben Bangkok einfach. Nach nur kurzer Zeit verlassen wir es allerdings wieder Richtung Nordthailand und machen uns von Chiang Rai aus auf den Weg zur laotischen Grenze. Laos bedeutet wieder Neuland für uns Zwei und wir sind gespannt was uns erwartet! 

Der Grenzübertritt und das Grenzstädtchen Houay Xay, das wir an unserem ersten Tag in Laos erleben, verspricht nicht allzu viel Gutes. An der Grenze (allerdings auf der thailändischen Seite) werden wir gleich mal Scamming-Opfer eines vermeintlich Offiziellen, der uns und allen weiteren Grenzgängern zu einem viel „besseren“ Kurs USD für die Visagebühr wechselt. Gleich hinter der Grenze wartet außerdem die Tuktuk-Mafia, die den gleichen Preis für eine 10-minütige Fahrt in die Innenstadt verlangt, wie wir für 2,5 Std Busfahrt gezahlt haben. Endlich in der Innenstadt angekommen, wirken die Menschen in Houay Xay zudem nicht sehr glücklich über die vielen Touristen auf Durchreise und sind sehr zurückhaltend. Zum Glück beenden wir den Tag aber noch sehr zufrieden mit unserem allerersten wirklich vorzüglichst schmeckenden Beerlao und einem grandiosen Abendessen und verschwinden entspannt ins Bett.


Genauso soll es auch die weitere Zeit in Laos bleiben: relaxt! Die Laoten sind – anders als bei unserem ersten Eindruck in Houay Xay sehr freundlich und nett – ja, asiatisch-zurückhaltend und ja, natürlich auch auf unser Geld aus, aber seit unserer Abreise in Houay Xay haben wir ausser der üblichen Tuktuk-Mafia bisher nur positive Erfahrungen gemacht. 

Bei unserer 2-tägigen Fahrt auf dem Slowboat von Houay Xay nach Luang Prabang sind uns vielmehr die mit uns reisenden Touristen negativ aufgefallen. Die Slowboats sind aufgrund der relaxten Art des Reisens und auch aufgrund des Preises natürlich vor allem bei Backpackern und Langzeitreisenden beliebt. Auf unser Boot hat es natürlich eine Gruppe an Backbackern verschlagen, die schon vor dem Reiseantritt um 11:30 Uhr einen ausreichenden Pegel beieinander hatten und mit Abfahrt des Bootes vor allem das Ziel hatten, den Pegelstand des Mekong zu schlagen. Respektlosigkeit gegenüber Crew und anderen Mitreisenden, Bier und Schnaps, die sich über Boden und Sitze ergiessen und eine wunderschöne Geruchsmischung aus kaltem Rauch, abgestandenem Alkohol und frischem Schweiss mit altem Schweiss gemischt rundeten das Gesamtbild ab. Zum Glück hatten wir uns Plätze ganz vorne im Boot gesichert und konnten das Treiben hinter uns somit getrost ignorieren. Viele andere im Boot hatten nicht so viel Glück. Wir geniessen also 2 entspannte Tage auf dem Mekong und lassen uns von der wunderschönen Karstlandschaft mit tropischen Hügeln samt Beobachtung von Wasserbüffeln & Co berieseln. 2 Tage, jeweils 6-7 Std verbringen wir so und freuen uns an Tag 2 dann aber sehr, als wir endlich in Luang Prabang ankommen und wieder eine richtige Stadt zu sehen bekommen.


Luang Prabang haben wir sofort ins Herz geschlossen. Eine einzigartige Mischung aus französischer Kolonialarchitektur und den laotischen Tempeln und Stupas versprühen dieser Stadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, einen wirklich einzigartigen Charme. Es geht auch hier vor allem relaxt zu. Die Stadt ist überschaubar gross und gut zu Fuss zu erkunden. Wir mieten uns zudem Räder um auch fernab der Touristenpfade die Stadt entdecken zu können. Unzählige Tempel, beeindruckende alte Gebäude, tolle Handwerkskunst und mit Mekong und den saftgrün bewachsenen Bergen ein malerischer Hintergrund lassen sich so verinnerlichen. 

Im Reiseführer wurde der französische Einfluss vor allem auch in Bezug auf das Essen deutlich hervorgehoben und tatsächlich, es gibt französische Creperien und Cafés mit Croissant, Citron Tart und Pain au Chocolat. Wir probieren natürlich auch mal davon, sind aber deutlich begeisterter von der laotischen Streetkitchen und geniessen somit das Essensangebot auf Morning Market und Night Market und den dortigen Garküchen. Das laotische Essen ist wirklich seeehr lecker!

Ein ganz besonderes Erlebnis in Luang Prabang ist die Beobachtung der Almosengänge der Mönche der Stadt. Eine sehr historische Tradition beinhaltet diese Zeremonie, die jeden Morgen zum Sonnenaufgang in der Stadt stattfindet. Die Mönche ziehen in Grüppchen aus ihren Klostern in die Stadt und nehmen Almosen von den gläubigen Einheimischen entgegen – Reis oder etwas Süsses, dass die Einheimischen morgens aus tiefem Glauben und Überzeugung an die Mönche übergeben. Leider ist diese Zeremonie mit zunehmendem Tourismus etwas in Gefahr geraten: für die Touristen ein weiteres Fotografier-Wettbewerbs-Event, zögern die meisten leider nicht, den Mönchen und den Gläubigen die Kamera direkt ins Gesicht zu halten und die Gänge immer wieder zu stören. Distanz und respektvoller Abstand für die meisten leider unbekannte Begriffe. Wir beobachten also bereits, dass unter den Mönchen, die diese Zeremonie mitmachen, fast nur noch Kinder und Jugendliche zu finden sind und lesen, dass sich die meisten Mönche davon bereits abgewendet haben – eben wegen der Aufdringlichkeit der oben beschriebenen Touristen. Sehr schade wie wir finden, aber ähnliche Situationen konnten wir auch sonst auf der Reise leider häufig beobachten, insbesondere wenn es um das Fotografieren von Kindern, alten Menschen oder Mönchen geht. 

Die relaxte Atmosphäre in Luang Prabang abrundend können wir jedem Besucher zudem einen Abstecher zu den Kuang Si Wasserfällen empfehlen. Gegen eine kleine Eintrittsgebühr besucht man hier einen Naturschutzpark mit einem wunderschönen Wasserfall, der sich über verschiedene Stufen ergiesst und sich so in Kaskaden seinen Weg bahnt. Auf diese Weise entstehen immer wieder traumhaft schöne Naturpools, die eine herrliche Erfrischung zur tropischen Hitze bieten. Es empfiehlt sich ein Besuch unter der Woche, da die Wasserfälle am Wochenende auch ein gern genutztes Ausflugsziel für die Laoten sind und es idementsprechend voll werden kann. Einmal dort angekommen, kann man bis zur Quelle des Wasserfalls nach oben wandern und immer wieder ein erfrischendes Bad nehmen. Einfach, herrlich, entspannt! So kann es weitergehen… 

Veröffentlicht in: Laos

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