Endlich sehe ich es! Das erste großflächige Khomeini-Wandgemälde. Seit 2 Wochen warte ich auf diesen Moment, den mir der Besuch des Bäckers ‚um die Ecke‘ letztendlich beschert. Das Wandgemälde und der Bäcker – der Sangaki – befinden sich im reicheren, nördlichen Teil Teherans und unweit der Jamaran-Strasse. Dort lebte, betete und predigte Imam Ayatollah Khomeini seit seiner Rückkehr aus dem Exil in einfachsten Verhältnissen.

Hochsicherheit ist rundum diese Moschee sowie seinem ehemaligen Wohnhaus angesagt. Militärposten sichern den Eingang, führen Leibesvisitationen durch und eine Stelle ohne Videoüberwachung muss erst einmal gefunden werden. Ein wahrer Personenkult, der um den Revolutionsführer von 1979 gemacht wird. Irgendwie ist seine Aura auch bis heute noch spürbar! Der Besuch lässt dennoch einige Fragen und ein ungutes Gefühl offen! Zum Glück ist Teheran ist nicht nur Khomeini, sondern vor allem laut, grell und voller Fahrzeuge! Täglich schieben sich Unmengen an Autos, Motorrädern und Bussen durch die Stadt. Der Verkehr ist chaotisch und trotz einem gut ausgebauten Straßen- und Autobahnnetz kurz vor dem Kollaps! Im Endeffekt manövrieren sich die Autofahrer nur von einem Stau in den nächsten. Und genau hier unterscheidet sich die 14-Millionen Einwohner-Metropole kaum von anderen – auch westlichen – Großstädten dieser Welt. Zwischen den wartenden Autos wischen immer wieder Fensterputzer oder fliegende Händler umher, um saubere Scheiben, CDs, Rosen oder vieles mehr an den wartenden Autofahrer zu bringen. Dasselbe Bild bietet sich in der hochmodernen U-Bahn. Auf 4 Linien geht es in getrennten Abteilen für Frauen und Männer durch die Stadt – immer in Begleitung der fliegenden Händler: MP3-Player, Spielzeugpistolen, Kopfhörer oder Socken – wer will noch mal, wer hat noch nicht?! Auch in der islamischen Republik Iran gilt der Leitspruch ‚Geld regiert die Welt!‘, selbst wenn neben den vielen vollkommen normal, im westlichen Sinne, gekleideten Fahrgästen ab und an auch ein Mullah zu sehen ist. An die Geschlechtertrennung halten sich die meisten im übrigen nicht – allenfalls nur, verrät uns eine Teheranerin augenzwinkernd, ‚weil die Männer so stinken‘.

Ebenfalls die vielen Leuchtreklamen, vorrangig in den Landesfarben Grün, Weiß und Rot, flackern, blinken und werben Tag und Nacht durch. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, Teheran ist die größte Partystadt im Nahen Osten! Doch anstatt Bier, Gin, Vodka & Co. gibt es hier nur Gemüse, Brot, allerlei Kebabs, Schmuck oder sonstiges. Und obwohl Teheran, was uns von vielen Seiten bereits vorab mit auf den Weg gegeben wurde, eine klassische Großstadt mit Tendenzen zu einem ‚Moloch‘ ist, strahlte diese Stadt dennoch eine große Faszination aus. Besonders lässt sich das für uns am Azadi Tower spüren, den wir an unserem letzten Tag in Teheran zur Abenddämmerung nach 2 Stunden Fahrtzeit aus dem Teheraner Norden erreichen. Dieses Monument ließ einst Farah Pahlavi anlässlich des 2500-jährigen Jubiläums der persischen Monarchie erbauen. Es verbindet Historie und Moderne sowie Okzident mit Orient. Mit dem Azadi Tower rühmte sich einst der Schah, auch die Revolutionäre von 1979 sowie die der grünen Revolution von 2009 vereinnahmten dieses Gebäude für sich.
Auch diese Aura ist vor allem zur Abenddämmerung zu spüren! Während sich allmählich die Nacht über Teheran legt und der Verkehr weiter wie wild den Kreisverkehr um den Tower entlangbraust, kehrt bei dessen Anblick sowie im Rückblick auf die im Hintergrund weiß schimmernden Berge für einen Moment Ruhe ein! Ruhig, groß und stolz, weit weg von Religion, Verkehr und Geld – auch so kann Teheran sein! Und wer davon noch nicht überzeugt ist, der fährt am besten in den Teheraner Norden. Dort im grünen, sehr modernen, kosmopolitischen und mit vielen Stadtparks gesegneten Teil wohnen nicht nur die gut situierteren – oder auch die aus den den Sozialen Medien bekannten ‚Rich Kids of Teheran‘ – sondern dort oben auf ca. 1500 bis 1700 Meter – der Rest der Stadt liegt auf ca. 1000 Meter über NN – geht die Stadt in das Elbursgebirge über! Der Blick von dort zeigt, das wahre Größe nicht durch übergroße Wandgemälde, sondern vielmehr durch Kontraste, von denen es in dieser Stadt genug gibt, definiert wird!

