10 Tage Kultur pur – Auf Touristenpfaden durch den Iran 

Vor 10 Tagen haben wir mit unserem 5-Mann-starken Personenkraftwagen Mashhad und damit den Osten Irans verlassen. Nach einem intensiven Start des Iran-Abenteuers umgeben von der gesamten Familie, wollen wir nun die Strassen, das Leben, die Gerüche, die Töne, die Architektur und vor allem natürlich auch Geschichte und (nicht zuletzt Essens-)Kultur dieses Landes kennenlernen. 

Unsere Reise führt uns aus Mashhad über die Wüste nach Yazd, anschließend fahren wir weiter nach Shiraz, Persepolis, Isfahan, Kashan bis zum letzten Familien- und Metropolenstop Teheran. Insgesamt gilt es somit nicht nur einige Tausend Streckenkilometer zu überwinden, auch verschiedene Klimazonen, kulinarische Spezialitäten und landschaftliche Vielfalt wartet auf uns. Was sich nun heute zudem sagen lässt, dass das Leben und der Alltag mit der Fahrt gen Westen gefühlt auch immer freier und weltoffener wird. Wir sind gespannt, ob sich dies in dem noch vor uns liegenden Reiseabschnitt in Teheran ebenfalls bestätigen wird. 

Eines können wir schon heute mit Sicherheit bestätigen: Iran hat als Reiseland einiges zu bieten! 

Von der Wüste haben wir bereits berichtet. Diese hat uns auch über Yazd hinaus noch eine Weile begleitet und uns die ein oder anderen wunderschönen Sonnenuntergänge sowie sternenklare Nächte beschert. Die Hitze – auch im Auto und vor allem im Falle einer Panne – sollte jedoch keinesfalls unterschätzt werden.


Unser erster längerer Stop in Yazd hat uns dann gleich aus unseren romantischen Abenteuervorstellungen von uns als einer der wenigen Touristen in Iran „herausgerissen“. Die Zeit von sehr wenig bis keinen Touristen ist inzwischen definitiv vorbei. Es gibt Unterkünfte und Hotels in allen Kategorien, man trifft Deutsche, Franzosen, Italiener, Japaner und Engländer einzeln oder wahlweise in Reisegruppen an den einzelnen historischen Stätten. Diese Stätten haben wiederum auch den Wert der Touristen erkannt und Eintrittsgebühren eingeführt wo es geht. Bedenkt man, dass dieses Land jahrelang völlig ohne jeden Tourismus war, ist dies nachvollziehbar, dennoch ist uns auch negativ aufgefallen, dass fast jede Sehenswürdigkeit, jeder Park und jede Moschee nur gegen einen Eintrittspreis zu begehen ist. Dabei versteht sich von selbst, dass ausländische Touristen im Vergleich zu Iranis in der Regel den vierfachen Preis bezahlen. Weitere negative Auswirkungen des Tourismus bleiben bisher zum Glück aus. Ein „Farangi“/“Charigi“ (ausländischer Tourist) wird zwar oft angesprochen, aber in der Regel ohne jeden Hintergedanken. Basare können besucht werden ohne aufdringliche Verkäufer und auch sonst konnten wir keine Verkaufsversuche jeglicher Art beobachten. Im Gegensatz dazu mussten wir uns antrainieren, unsere Skepsis gegenüber Fremden, die uns auf offener Straße ansprechen um uns auszufragen, wie uns ihr Heimatland gefällt, nicht mit der üblichen Skepsis zu begegnen, die wir uns in vielen anderen Ländern antrainiert haben. Höflichkeit und ein freundliches „Salam“, „Chetori?“ stehen hier ganz oben im Umgang miteinander – dies mag zunächst ungewohnt sein für Viele. 


Infrastrukturell sollte sich ein Tourist dennoch auf einige Überraschungen einstellen: das Wasser, das überall kostenlos über Hähne verfügbar ist, hilft in der Hitze sehr – aber ja, es schmeckt nach Chlor. Die Strassen sind nicht überall blank geputzt, vor einer Metzgerei liegt gerne mal ein Haufen Knochen, Mülltonnen sind gefüllt, öffentliche Toiletten gibt es zwar überraschend reichlich, allerdings sind sie weder mit Toilettenpapier ausgestattet, noch besonders sauber. Der Verkehr macht Krach und die alten Autos tragen ihren Teil zum Abgasvorkommen bei. Die Strassenschilder und auch viele andere Schilder sind zumeist in Farsi verfasst und nicht in Englisch. Dem allen stehen unglaublich freundliche, hilfsbereite, wissbegierige und lebensfrohe Menschen, beeindruckende kulturelle Schätze, eine wunderschöne Architektur, unzählige Zeugnisse der Geschichte, vielfältigstes Speisenangebot, ein wahnsinnig tolles Licht und vieles mehr entgegen. Unsere Stopps:
In Yazd lässt sich vor allem die Geschichte der Zarathrustra beeindruckend nachempfinden. Ein lebendiger Basar und eine sehr schöne Altstadt, bestehend aus Lehmbauten prägen das Erlebnis.




Shiraz ist als Heimat der berühmten Dichter Hafis und Saadi und wegen ihrer vielen Gärten und Parks als die Stadt der Romantik, Rosen und Nachtigallen bekannt. Wunderschöne Gärten, einzigartige historische Stätten und eine zunehmende Kombination aus Tradition und Moderne prägen das Stadtbild. Besonders bekannt ist Shiraz zudem für seine wunderhübschen „Töchter“, den „Dokhtare Shirazi“. 

Im nahegelegenen Persepolis und dem Mausoleum von Cyrus dem Grossen ist die jahrhundertealte Geschichte dieses beeindruckenden Landes richtig spürbar (natürlich noch viel mehr für uns, da wir diese Stätten mit spürbar stolzen Persern besucht haben, das uns in unserer Wahrnehmung nochmals mehr bereichert hat). 

Isfahan hat sich einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen erobert. Die geschichtsträchtige Stadt mit einer ebenfalls jahrhundertenalten Vergangenheit beeindruckt nicht nur durch ihr kosmopolitisches Flair, auch die Menschen überraschen uns mit einer weiteren Schippe mehr Fröhlichkeit und Offenheit. Das Strassenbild besteht vorrangig aus Alleen voller Bäumen, es gibt kilometerlange naturbelassene Parkanlagen, ein breites Flussbett (das bei unserem Besuch leider komplett ausgetrocknet war, weil das Wasser aufgrund von Wasserknappheit nach Yazd umgeleitet werden musste), tolle Promenaden entlang des Flusses, abwechslungsreiche Architektonische Highlights und mit dem „Imam-Platz“ und den beiden bekannten Brücken „Si-o-se Pol“ und „Pol-e Khaju“ sind nur die drei grössten Highlights der Stadt zu nennen, in denen das Leben der Isfahanis hautnah miterlebt werden kann. Ob es Familiengrüppchen sind, die gemeinsam picknicken, eine Gruppe Studenten, die gemeinsam Pantomime spielt, flanierende schüchterne Pärchen, haufenweise Männer beim Volleyballsspielen Nachts um 1:00 Uhr, Shisha-rauchende Jungs am Flussbett, eine Gruppe an Männern in unserem Alter, die in der Moschee ein Nickerchen halten, Frauen beim shoppen und schaulaufen entlang der zahlreichen Basare und Einkaufsgassen für die beeindruckende Vielfalt an Handwerkskunst der Stadt, BMX-Biker auf dem Vorplatz zur bekannten Imam-Moschee und nicht zuletzt eine Schar an Einheimischen unterschiedlichster Altersklasse, Professur und sozialer Herkunft, die sich Nachts unter dem Brückengewölbe der „Pole Khajul“ treffen um das Echo des Gewölbes zu nutzen und gemeinsam persische Folklore-Lieder zu singen. Ein ganz besonderes Erlebnis, das uns Isfahan zum Abschied an unserem letzten Abend geschenkt hat. 

Kashan als letzter Stop vor Teheran überzeugt ebenfalls durch eine ganz besondere Atmosphäre, die insbesondere von einmalig schönen historischen Gebäuden (Tabatabai-Haus, Aqa-Bozorg-Moschee, Hotel Ameriha), zahlreichen schmucken Altstadtgässchen in Lehmziegelkuppelbauweise und tollen Altstadthäusern, die an Herrenhäuser aus dem Westen erinnern, geprägt sind. Die Stadt ist zudem bekannt für ihre Teppiche und Rosenwasserherstellung.

Diese kurze, intensive Reise hat uns beide nachhaltig beeindruckt und wir konnten in den letzten 10 Tagen nur einen wirklich kleinen Teil des Landes kennenlernen. Wir freuen uns nun auf den Abschluss unseres Reiseziels Iran in Teheran und sind bereits sicher, dass wir wiederkommen werden, um die vielen weiteren Teile des Landes zu erleben.

Veröffentlicht in: Iran

Hinterlasse einen Kommentar