„Cuisine“ Irani – Khosh Mazeh!

Wir wussten bereits vor unserer Reise, das Essen und Trinken für Iranis von sehr hoher Bedeutung ist. Das Ausmass bringt jeden Tag aufs Neue Überraschungen mit sich. 

Die wichtigste Regel lässt sich jedoch einfach zusammenfassen: „Hab immer und überall etwas zu Essen und zu Trinken parat – nicht nur für Dich selbst, sondern auch für alle um Dich herum.“ Das Essen nimmt dabei im Vergleich zum Trinken definitiv nochmals eine grössere Bedeutung ein. 

Wir gehen sicher nicht zu weit mit der Behauptung, dass dieses Resümee sich bereits innerhalb unserer ersten 5 Minuten ausserhalb der Sicherheitskontrolle am Flughafen Mashhad abzeichnete. Denn bereits in dieser kurzen Zeit des Beisammenseins wurde diskutiert, ob wir noch etwas zu Abend essen (es war etwa 2 Uhr Morgens) wollen oder lieber nur Tee (Chai) trinken wollen und zu welchem Teil der Familie wir dafür am besten gehen. Der Teil der Familie, der uns am Abend (ääähmm Nacht) nicht bewirten darf, ist dann aber in jedem Fall am nächsten Morgen für ein ausgiebiges Frühstück unser Gastgeber. 

So starteten unsere ersten 12 Stunden in Iran mit viel Tee beim Onkel (natürlich wurde dazu Gebäck und Obst gereicht und nach Geschmack auch diverse Alternativen angeboten), ein kleines bisschen Schlaf, gefolgt von einem reichhaltigen Frühstück mit Tee und allerlei Köstlichkeiten (Sangak = Brot, Käse, Tomaten, Brot, Sabsi = Kräuter, Kuku Sabzi und Kuku Bademdjan = Persisches Omelett, Obst). Da wir während den beiden Anlässen bereits zu unseren Vorlieben für das persische Essen und Trinken ausgefragt wurden, stand der „Essens“-Plan für die nächsten Tage sehr schnell (bedeutend schnelller als die jeweiligen Tagesplanungen, die sich gerne auch minütlich weiter veränderten) und zumindest jeder Abend war schon mal an eine der Tanten „vergeben“ und auch die Gerichte wurden festgelegt.

Glücklicherweise für uns hat jede Tante so ihre Spezialitäten und es folgte ein kulinarisches Highlight nach dem anderen. Dabei ist es natürlich mit dem Hauptgericht nicht getan, ein Festmahl für einen (bzw ja mehrere) Festabend(e) muss her. Diese Einladungen kann man sich wie folgt vorstellen: die ganze Familie wird für „Abends“ zum Essen eingeladen. Uhrzeiten haben für diese Art Einladungen eher nachrangige Bedeutung. So wird also zunächst zum Ankommen Tee und Obst gereicht. Da sich dies gerne mal über ein paar Stunden hinziehen kann, bis alle Gäste eingetroffen sind, gibt es mehrere Runden Tee und das Obst wird wahlweise durch Gebäck ersetzt. Dabei sitzen die Gäste im Wohnzimmer auf Stühlen & Couches verteilt im Raum und haben jeweils kleine Beistelltischchen als Ablagefläche für Teller und Gläser.

Es versteht sich von selbst, dass ein „Nein“ – auch ergänzt um ein Danke – nur sehr schwer akzeptiert wird und es dafür mehrere Verhandlungsrunden bedarf. Das bedeutet zugleich, das ein unsicheres „Nein“ gar nicht erst Ernst genommen und sogleich mit einem weiteren Nachschlag quittiert wird. Ein selbstbewusstes Auftreten beim Ablehnen von angebotenem Speis und Trank ist also eines der ersten und zentralsten Übungen die es im Iran zu bewältigen gibt (Alle von Euch, die Ramin gut kennen, werden sich bereits denken können, dass ihm dies auch nach 10 Tagen in diesem Land weiterhin schwer fällt – es schmeckt aber halt auch einfach zu gut 🙂 ).

Sind nun alle Gäste, die erwartet werden, eingetroffen (gegen 21 oder 22 Uhr ist dies bei uns zumeist der Fall gewesen) wird sehr schnell der „Buffet“ Tisch mit allerlei Leckereien eingedeckt. Dabei darf Sabzi Khordan (gemischte, frische Kräuter, die zu jedem Essen dazu gereicht werden), Mast (Joghurt – als gängige Vorspeise), Noon (Brot) und Torschi (eingelegtes, saures Gemüse) nicht fehlen. Die gängigste Beilage ist natürlich Reis, wobei dieser mit deutschem Reis nicht in Ansätzen vergleichbar ist. Es ist lockerer, duftender, langkörniger Reis, der in der Regel noch mit Safran, Sabzi oder Berberitzen verfeinert wird. Das Tadik (eine Kruste, die beim Reiskochen auf dem Topfboden entsteht) ist das Highlight eines jeden Reisgerichts und wird separat angereicht. Die Auswahl an Gerichten ist wahrlich vielfältig, was alle Gerichte auszeichnet, ist ihr sehr fein abgeschmeckter Geschmack. Alles wird aus frischsten Zutaten, mit viel Geduld und Kochleidenschaft zubereitet und lange gekocht. Nach dem Essen werden dann die Getränke gereicht – Dough (Joghurtgetränk, das mit dem in Deutschland bekannten türkischen Ayran vergleichbar ist) oder Cola – Wasser nur auf Nachfrage. 🙂 

„Nach“ dem Essen ist aber natürlich erst, wenn mindestens 2 Runden Nachschlag abgeschlossen und aufgegessen sind. Und auch dann wird erst noch versucht, die Reste an Mann oder Frau zu bringen. 

Als Dessert wird Tee gereicht – natürlich begleitet von geschnittem Obst und Gebäck – so schließt sich der Kreis. Diese Kombination von Tee und Gebäck bzw. Obst ist allgemein den ganzen Tag als Snack verfügbar. Kaum ist man 15 Minuten in einem Raum, ist man schneller mit einem Glas Tee, einem Teller und Obst und/oder Gebäck versorgt, als man „Nein danke“ sagen kann. Je nach Uhrzeit ist dies auch durch ein schnell gezaubertes Mittagessen – das aus dem Nichts kommt – oder einem Snack aus Mast (Joghurtgericht), Brot, Salat und einem kleinen Vorspeisengerichten ersetzbar. Wahrscheinlich, je nachdem was die Küche gerade so hergibt – so unsere Vermutung. Es passierte immer zu schnell, als das wir das sicher beurteilen können. 

Bis heute entdecken wir jedenfalls jeden Tag etwas Neues und eine neue Alltagsregel im Hinblick auf die Lieblingsbeschäftigung der Perser: gutes Essen! Kein Wunder somit auch, das „Essen“ eines der deutschen Vokabeln sind, die inzwischen jedes Familienmitglied kennt.

Typical Iranian Homemade Dinner

Typical Homemade Dinner – Sereshgh Polo ba Morgh



Typical Iranian Family Dinner

Family Dinner – Homemade Food


Spices at local Iranian Bazar

Spices at local Iranian Bazar


Sabzi Khordan

Sabzi Khordan – Roughly cost is under 1 EUR for this amount!

Typical Iranian Homemade Dinner - Asche Reschte, Khoresht Bademdjan

Typical Iranian Homemade Dinner – Asche Reschte, Khoresht Bademdjan


Typical Iranian Breakfast

Typical Iranian Breakfast

Veröffentlicht in: Iran

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