Es ist ca. 9:00 Uhr Morgens und wir liegen bereits seit 1,5 Std mitten in der Wüste direkt neben der Schnellstrasse hinter unserem Zelt im Schatten und warten darauf, das Ramin’s Cousin mit einem neuen Reifen zurück kommt.
Wir sind zu Fünft. Die meisten von uns schlafen, da die letzte Nacht nicht sehr viel davon hergegeben hat. Das viele Schnarchen der Einzelnen, die Geräusche der Strasse und der Natur, der Gedanke an wilde Tiere (es gibt hier zum Beispiel sowas wie Schlangen und Skorpione) sowie die zunehmende Kälte hat es uns allen fast unmöglich gemacht, tief zu schlafen.
Nun, wo die Sonne langsam immer weiter nach oben wandert, der Schatten immer kleiner wird, der Verkehr mit einem Hintergrundrauschen auffährt und ein angenehmer Wind uns daran erinnert, das wir im Freien – hinter dem Zelt, statt im Zelt – liegen, macht uns all das nichts mehr aus und das Schnarchen geht in die Vollen. Es gibt aber auch einiges nachzuholen…
Die Idee, die Nacht auf einem 2-tägigen Trip mit 5 Personen in einem Zelt zu verbringen, um von Mashhad nach Yazd und damit einmal komplett durch die Wüste zu fahren, hört sich im ersten Moment vielleicht ganz romantisch an. Im zweiten Moment belächelt man diese vielleicht schon ein bisschen und hofft auf eine andere Option!
Als wir heute Nacht um 0:45 Uhr nach 8 Std Fahrt das erste Mal den Reifen wechseln mussten, weil dieser geplatzt war, konnten wir noch nicht ahnen, das wir schon bald sehr froh sein würden über diese Idee. Zunächst aber war mitten im Nirgendwo vor allem die Freude groß, das man auch in Iran ein Reserverad mit sich führt. In Rekordzeit wurde also von den beiden Cousins der Reifen gewechselt und wir konnten wieder durchstarten in die letzten 100 km der ersten Tagesetappe.
Leider hielt die Freude nicht lange an. Stattdessen erlebten wir nach nur 10 km ein Deja-vù – gleicher verbrannter Geruch, gleiches Ruckeln des Autos – Goodbye Reserverad! Welcome to the Desert! Inzwischen war es 1:20 Uhr und wir kamen keinen weiteren Meter voran. Also wurde das Auto neben die Straße in den Sand befördert und nach ersten Diskussionen mit den sehr schnell anhaltenden möglichen Helfern entschieden, das wir die Nacht nun – zwar irgendwie etwas anders als „geplant“ aber dennoch tatsächlich – im Zelt in der Wüste verbringen.
Diskussionen und Zeltaufbau waren dann auch bis 2:15 Uhr endlich abgeschlossen und wir konnten den wohlverdienten Schlaf antreten.
… oder eben auch nicht…
Zum „Glück“ haben wir nun auf der anstehenden 7-stündigen Autofahrt ausreichend Zeit, unseren erholsamen Schlaf nachzuholen. Wir machen noch Halt in der ein oder anderen Stadt, besichtigen Parks (Tabas) und Wasserquellen (Quanats in Gornabad) und diverse Moscheen.
PS: In Yazd angekommen treffen wir direkt in unserem Hotel auf die ersten westlichen Touristen – nach 1 Woche im Iran. Für uns bedeutet das vor allem, das wir nun angekommen sind, auf der bekannteren „Touri“-Route und dennoch werden wir diese im Kreis der Familie (wir sind inzwischen zu Acht) sicher ganz anders erleben und darauf freuen wir uns schon sehr.



